Marika Bertoni Photography
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Dieses Projekt ist Frucht von Gedanken, Bildern, Menschen, Gefuehlen, suessen, ekelerregenden Dueften, Unterhaltungen, Vergleiche zwischen Koerpern, Haenden, Meinungen. Gelesene Buecher. Gesehene Filme. Gehoerte Lieder. Stille. Dasein, aber vor allem Wegsein. Es spricht von Reisen, welche nicht nur physische und geografische Verschiebungen waren, Klimaaenderungen, unterschiedliche Hemisphaeren, aber auch Entwicklungen (oder Regression?) meines Seins, Herzbeschleunigung im Uebermass oder Abwesenheit von Gefuehlen, Betonung eines Ernuechterungsprozesses, aber auch grosses Bewusstsein. Und jede Reise hat Ihre eigene Zeit, die staendig auf zwei Gleisen faehrt: die Zeit geschlagen von den voruebergehenden Minuten auf dem Zifferblatt einer Uhr, Zeit die du aufbrechen kannst, quantifizieren, summieren, addieren, Zeit die ein Flugzeug abheben, ein Kind eine Bahnhofstreppe hinaufgehen und eine Flasche einen Schluck Wein in das Glas einschenken sieht, von dem du trinken wirst. Und dann gibt es noch die innere Zeit, Zeit zu fuehlen, Zeit die von unserem Herzschlag geschlagen wird, die keine Nummern hat, um angezeigt zu werden, die einer eigenen Logik folgt, die du nicht summieren kannst, nicht dividieren, aber nur fuehlen. Jede Reise hat ihren eigenen bestimmten Raum, eine Art Ziel, einen Aussenplatz, in dem meine Gefuehle Gestalt annehmen. Lisbon, New York, Berlin, Dublin, Warschau, Miami, Los Angeles. Metropolen, die zur aeusseren Landschaft meiner Gedanken wurden, wo Menschen in jedem Schritt Spuren ihres Lebens hinterlassen, und wo Wolkenkratzer mir scheinen von Leben zu sprechen, die vorhaben, wie in einer Art modernen Babel, goettlich zu sein. Jeder Schatten ist ein Unknown ID, ein undefinierter und oft unerkennbarer Fleck, in welchem sich Leben, das am Ende das meine ist, verbergen: ein menschliches Wesen, das im Schatten erscheint, ohne Merkmale, die aus ihm einen Koerper machen koennen, mit seiner eigenen Identitaet, in der seine Seele schmerzlich unsichtbar bleibt. Die Stadt, jede beliebige moderne Stadt, wird zum Hintergrund, in welchem sich diese Unknown ID bewegen, unvereinbar, nichtssagend. Hinzufuegungen und Entziehungen von anonymen, rastlosen Leben. Es ist ein komplexer Wirbel von Gefuehlen, die nicht direkt aus diesem empfindlichen Koerper kommen, aber, unvermeidlich mit diesem verbunden sind, wo unscharfe und unbestimmte Bilder entstehen, wie es die Natur des Schattens selbst ist. Eingewickelt in Faeden von Existenzen, die nicht direkt miteinander verflochten aber verbunden sind, demselben Fluss der Dinge angehoeren, die einander einen unfreiwilligen und beharrlichen Schmerz zufuegen, sind wir alle “Unknown ID”. Wie Landstreicher, leben wir in der Zweideutigkeit der Existenz, die wir mit uns tragen: jenes binaere System der Welt, auf dem die Fotografie ihren Blick legt. Eine Buehne dieser Ueberlagerungen.